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Unsere Idee für Generationen

Gepostet von in am 3. August 2010

Unsere Idee für Generationen

Das Saarland fördert innovative Projekte und Maßnahmen innerhalb der Landesgrenzen, die dazu beitragen, den demographischen Wandel positiv zu gestalten. Hierzu hat das Ministerium für Gesundheit und Verbraucherschutz 2010 zum Förderwettbewerb „Ideen für Generationen“ aufgerufen. Auch die Herzwacht hat hierzu einen Beitrag eingereicht.

Wir wollen das Saarland herzsicher machen

Die Mitglieder der Deutschen Herzwacht e.V. werben im Saarland seit sieben Jahren ehrenamtlich für die Einführung und Optimierung neuer Rettungskonzepte bei medizinischen Notfällen insbesondere bei Herzerkrankungen. Auf unseren Impuls 2005 hin wurden alle öffentlich-rechtlichen Krankenwagen bis 2008 mit lebensrettenden Defibrillatoren ausgestattet. Dieses Projekt ist allerdings nur ein Meilenstein zu einem herzsicheren Saarland.

Der plötzliche Herztod ist Killer Nr. 1

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind seither die Todesursache Nummer 1 in Deutschland. Die Überlebenswahrscheinlichkeit beim plötzlichen Herztod ohne suffiziente Erste Hilfe liegt aber nur bei etwa 3-10 Prozent. Rettung für jährlich ca. 1.000 flimmernde Herzen im Saarland sind darum gut ausgebildete Ersthelfer, die am Beginn der Rettungskette stehen und durch ihr schnelles und sicheres Reagieren die Grundlage für eine erfolgreiche Therapie durch den optimal ausgerüsteten Rettungsdienst schaffen. Denn die Anwesenheit und das Eingreifen eines Ersthelfers bei einer Herz-Lungen-Wiederbelebung verbessert das Überleben um einen Faktor von 2 bis 3; der zusätzliche Einsatz einer automatisierten externen Defibrillation um das 3- bis 10-fache.

Unsere Lösung: Kleine Lebensretter

Da zwei Drittel aller Herzattacken im häuslichen Umfeld stattfinden und nur ein Drittel am Arbeitsplatz und in der Öffentlichkeit, ist unsere Vision der „Lebensretter @ Home“.

Um dieses Ziel zu erreichen ist unserer Ansicht nach ein gestaffeltes und nachhaltiges Programm zur Einführung einer „Breitenkenntnis Erste Hilfe“ in Verbindung mit der heute schon in einigen Ländern als „Standard“ zu bezeichnenden Laiendefibrillation erforderlich. Die Ergebnisse sprechen für sich: Erfolgreich defibrillierte Betroffene überleben neurologisch intakt und mit guter Lebensqualität.

1. Stufe: Sensibilisierung der Bevölkerung für das Thema Erste Hilfe mit Laiendefibrillation

Infoveranstaltungen und Vorreiterprojekte

Die Erfahrung mit der Einführung von Defibrillatoren in Krankenwagen hat gezeigt, dass Vorbildprojekte eine breite Akzeptanz schaffen, die der unabdingbare Nährboden für ein privates und gesellschaftliches Engagement darstellt. Mögliche Leuchtturmprojekte:

  • Behörden mit Publikumsverkehr könnten als Vorreiter flächendeckend im Saarland mit Defibrillatoren ausgestattet werden. Die dazu erforderliche Ersthelferstruktur steht — wie auch in vielen Betrieben — bereits zur Verfügung. Das Gefühl bei einem Behördengang gut geschützt zu sein ist für den Bürger ebenso positiv, wie das Gefühl der Bediensteten im „Ernstfall“ in (s)einer Behörde adäquate Hilfe zu erlangen. In vielen Sparkassenfillialen beispielsweise ist solch ein Konzept schon vor einiger Zeit erfolgreich umgesetzt worden.
  • Weniger empfehlenswert wäre eine reine Infoveranstaltung, da hier der Vorbildcharakter als Impuls fehlen würde.

Die Umsetzung dieser Projekte müsste mittels einer positiven Pressekampagne in der breiten Öffentlichkeit dargestellt werden:

Die Kampagne: Saarland gegen den plötzlichen Herztod

Hieraus entstünde ein Impuls für Unternehmen und Privatiers, bei denen es sinnvoll ist ein derartiges Projekt umzusetzen, sich selbst aktiv durch Schulung der Mitarbeiter in Erster Hilfe und den erforderlichen Erwerb eines Laiendefibrillators zu engagieren.

2. Stufe: Früher Erwerb der Schlüsselkompetenz „Erste Hilfe“

Wir stellen uns vor, an weiterführenden Schulen im Saarland, ganze Schulklassen (7.-9. Schuljahr) in Erster Hilfe auszubilden. Bereits Siebtklässler sind nach Untersuchungen z.B. der Universitätsklinik Rostock dazu in der Lage, Erwachsene leitliniengerecht wiederzubeleben. Die Notrufnummer 112 kennen viele Schüler jedoch nicht. Frühere Projekte dieser Art scheiterten allerdings an der geringen Anzahl erforderlicher Erste-Hilfe-Ausbilder und in Ermangelung einer konzertierten Maßnahme. Dabei muss Erste Hilfe selbstverständlich sein. Mögliches Generationenprojekt in diesem Zusammenhang:

Generationen helfen Leben retten

Die Ausbilder sollen deshalb rüstige Senioren als Mentoren sein. Vor allem ältere Menschen sind oftmals gerne bereit ehrenamtlich ihr Wissen zur Verfügung zu stellen und an die jüngere Generation weiterzugeben. Idealerweise wären sie neben- oder hauptamtlich beschäftigt. Auf diese Weise würden zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse für Ältere — Stichwort: 50plus — geschaffen. Dies wäre ein vorstellbares mittelfristiges Projektziel. Denn gerade Ältere verfügen aufgrund ihrer bisherigen individuellen Erkrankungen — meistens sind es ja Herz-Kreislauf-Probleme — über ein enormes Wissen ihres körperlichen Wohlbefindens. Die Schulkinder können sehr stark vom Wissen der Älteren profitieren. Zusätzliche Knotenpunkte für Fortbildung und regionale Diskussions- und Infoveranstaltungen könnten die Mehrgenerationenhäuser im Saarland sein. Die Mentorenschulung sollte aber zentral am Landesinstitut für Pädagogik und Medien in Kooperation mit den für die Aus- und Fortbildung in der Ersten Hilfe von der Qualitätssicherungsstelle ermächtigen Stellen, wie z.B. den Hilfsorganisationen und –diensten stattfinden.

Multiplikator der Ersten Hilfe sollen sogenannte „Mini Anne™ HLW-Modelle“ sein, die — über Schulvereine cofinanziert — den teilnehmenden Schülern kostenlos zur Verfügung und zum privaten Verbleib überlassen werden. Diese HLW-Kits enthalten ein aufblasbares Übungsmodell zum Training essentieller Sofortmaßnahmen beim Notruf und der Wiederbelebung und kosten ca. 49,60 Euro pro Stück (Einzelpreis inkl. 19% USt. und Versand) und im Schulset ca. 645,- Euro (15 Übungssets inkl. 19% USt. — versandkostenfrei).

An diesen Modellen sollen durch die Mentoren Grundwissen und Grundtechniken der Wiederbelebung, als Basismaßnahme der Herz-Lungen-Wiederbelebung erklärt werden. Hausaufgabe für die Schüler würde dann sein, nach erfolgter Erste-Hilfe-Unterweisung im Unterricht, so vielen Bürgern wie möglich, z.B. im Familien- und Freundeskreis und in der Nachbarschaft, ebenfalls das erworbene Grundlagenwissen weiterzugeben. Zu diesem Zeitpunkt sind die Schüler die Multiplikatoren.

Diese weiteren „Erste-Hilfe-Einweisungen“ sollen dokumentiert und in der Schule gesammelt und addiert werden. Die teilnehmenden Schulen sollen dann in einen Landeswettbewerb miteinander eintreten. Während einer Festveranstaltung soll schließlich festgestellt werden, welche Schule die eifrigsten Multiplikatoren für die Erste Hilfe hat und im Ergebnis den meisten Menschen diese Kenntnisse näherbringen konnte.

Alle teilnehmenden Schulen sollen eine Defibrillatorstation erhalten, um optimal auf den plötzlichen Herztod vorbereitet zu sein und ihr Erste-Hilfe-Grundlagenwissen weiter vertiefen zu können.

Dieser Erste-Hilfe-Projektunterricht ersetzt natürlich keinen kompletten Erste-Hilfe- oder Lebensrettende-Sofortmaßnahmen-Kurs. Das soll und will er auch nicht. Es geht lediglich darum, für die Themen „plötzlicher Herztod“ und „schneller Notruf“ zu sensibilisieren und Basistechniken der Wiederbelebung zu zeigen und populär zu machen.

Erste Hilfe an Schulen

Mittelfristiges Ziel zur qualitativen und quantitativen Verbesserung der Ersthelfer-Reanimation soll die Einführung eines schulischen Pflichtlehrplans Basis-Reanimation sein. Der Beginn ist bereits in der Grundschule möglich. Sinnvoll erscheint die mehrfache Wiederholung im Verlauf der Schulkarriere, damit die Ersthelfer-Reanimation frühzeitig im Sinne des lebenslangen Lernens als Kulturfertigkeit verankert wird. Kernpunkt müsste ein im Saarland einheitliches, von allen Beteiligten gemeinsam getragenes Ausbildungskonzept, auf der wissenschaftlichen Basis der Leitlinien des Europäischen Rates für Wiederbelebung (ERC), sein. Strategien zur Einführung können keinem einheitlichen Patentrezept folgen, weil potentielle Ausbilder nicht flächendeckend verfügbar sind. Vielmehr würde ein jeweils regional anzupassendes multimodales Vorgehen notwendig sein.

Fazit

Wir sind überzeugt mit dieser innovativen und lebensrettenden Idee einen sinnvollen und nachhaltigen Beitrag der proaktiven Gesundheitsvorsorge vor dem Hintergrund des demographischen Wandels im Saarland zu leisten und gehen mit diesem Vorschlag konform mit dem Deutschen Rat für Wiederbelebung (GRC).

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