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Defis für alle Krankenwagen

Veröffentlicht von in am 23. September 2005

Defis für alle Krankenwagen

Die Deutsche Herzwacht setzte 2005 mit ihrem spendenfinanzierten Pilotprojekt in Merzig-Wadern den Impuls für die Ausstattung aller Krankenwagen im Saarland mit Defis.

Erster Landkreis mit Defis ausgestattet

Damit ist das Saarland das erste Bundesland in dem sämtliche Krankenwagen des öffentlich-rechtlichen Rettungsdienstes mit lebensrettenden Defibrillatoren, sogenannte AED, ausgestattet worden sind. Die Initiative der Deutschen Herzwacht hat sich saarlandweit durchgesetzt. Der Rettungszweckverband Saar (jetzt Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung) stattet alle saarländischen Krankenwagen mit lebensrettenden Geräten aus. Die Herzwacht hatte im September 2005 erstmalig im Saarland alle Krankenwagen im Landkreis Merzig-Wadern mit den ersten automatisierten externen Defibrillatoren (sog. AED) ausgerüstet. Mit den lebensrettenden Geräten können Herzinfarkt-Patienten gerettet werden.

Der plötzliche Herztod

Der plötzliche Herztod ist die häufigste außerklinische Todesursache in Deutschland. Nach Angaben der Herzstiftung erleiden jedes Jahr fast 300.000 Menschen einen Herzinfarkt. Ãœber 170.000 sterben an den Folgen.

Nachdem die Defibrillation nach überwiegender Ansicht bereits eine Standardmaßnahme im Rettungsdienst und dort konkret auf Rettungswagen und notarztbesetzten Fahrzeugen geworden ist, hat sich die Deutsche Herzwacht im Jahre 2005 in Absprache mit dem Rettungszweckverband Saar (jetzt Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung) und dem Ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes im Saarland die Einführung von automatisierten externen Defibrillatoren (sog. AED) in Krankenwagen vorgenommen. Im September 2005 hat die Herzwacht dieses Ziel im Landkreis Merzig-Wadern bereits umgesetzt.

Defi fährt mit!

Die vier täglich besetzten Krankenwagen sind jeweils mit einem mobilen Erste-Hilfe-Defibrillator ausgestattet. Damit verfügt die Rettungsleitstelle des Saarlandes über die Möglichkeit einen Krankenwagen, der einem Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand näher steht, als der nächstgelegene Rettungswagen, als qualifizierte Ersthelfer voraus zu entsenden.

Update

Rund zwei Jahre später zog der Rettungszweckverband Saar (jetzt Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung) nach und entschloss sich auch die anderen saarländischen Krankenwagen mit AED-Geräten auszurüsten. Nach der offiziellen Übergabe im Saarpfalz-Kreis im Januar 2008 erhalten im Februar 2008 nun auch die übrigen Krankenwagen der saarländischen Landkreise ihre Geräte. Neben zu berücksichtigenden logistischen und technischen Aspekten ist gewährleistet, dass  Ausbildung und Nachschulung an der Rettungsdienstschule Saar und an Lehrrettungswachen, Einweisung nach MPG und MPBetreibV, ärztliche Aufsicht, Programmleitung durch den ÄLRD, Auswertung der Einsätze im Rahmen ärztlichen Qualitätsmanagements, sowie Führung von Einsatzprotokollen (Dokumentation durch AED-Anwender im Einsatzprotokoll und Dokumentation durch Gerät in AED-Speicherfunktion) erfolgen.

Hintergrundinfos

  • Träger des Rettungsdienstes im Saarland ist nach § 5 SRettG der von den Landkreisen und dem Regionalverband Saarbrücken (vormals Stadtverband Saarbrücken) gebildete Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (vormals Rettungszweckverband Saar).
  • Die Ausstattung von Rettungsdienstfahrzeugen und deren Ausrüstung, insbesondere von Krankenkraftwagen, wird in der Norm DIN EN 1789:2007-08 (ersetzt DIN 75080) geregelt. Diese schreibt die Ausstattung der Notfallrettungsmittel (Typ B und C=RTW/NEF) mit Defibrillatoren zwingend vor. Für Krankentransportwagen (Typ A1 und A2=KTW) ist sie ebenfalls vorgesehen, allerdings mit dem Zusatz, dass hiervon in Abhängigkeit von regionalen Erfordernissen  abgewichen werden kann.
  • Die überwiegende Mehrzahl aller Patienten mit plötzlichem Herztod weist initial ein Kammerflimmern auf. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes ist ohne Reanimation das Kammerflimmern nicht selten in eine Asystolie übergegangen. Die einzige wirksame Behandlung im Rahmen der Reanimation stellt die Defibrillation dar. Je früher die Defibrillation erfolgt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit des Überlebens ohne bleibende körperliche Schäden. Jede Minute ohne wirksame Reanimation reduziert die Überlebenswahrscheinlichkeit um 10% (Empfehlung der Bundesärztekammer zur Defibrillation mit automatisierten externen Defibrillatoren (AED) durch Laien, 04.05.2001, PDF).
  • Im Saarland waren am 01.01.2008 nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts 281 Krankenwagen und Notarzteinsatzfahrzeuge zugelassen. Die Krankenwagen des öffentlchc-rechtlichen Rettungsdienstes sind seit Februar 2008 mit einem AED zur Lebensrettung bei plötzlichem Herztod ausgestattet. In Deutschland sind insgesamt 17.417 Fahrzeuge zugelassen.
  • Die Notfallrettung ist bspw. im Saarland nach § 6 SRettG so zu planen, dass ein geeignetes Rettungsmittel (KTW, RTW, NEF, RTH) jeden an einer öffentlichen Straße gelegenen Notfallort innerhalb einer Hilfsfrist von zwölf Minuten erreichen kann und die Hilfsfrist grundsätzlich in 95% aller an einer öffentlichen Straße zu erwartenden Notfalleinsätze (nicht Großschadenslagen, Katastrophen und Intensivtransport) eingehalten werden kann Der untere Interventionspunkt liegt bei 90%. Die Hilfsfrist umfasst den Zeitraum vom Eingang einer Notfallmeldung bei der zuständigen Rettungsleitstelle Saarland bis zum Eintreffen eines geeigneten Rettungsmittels (KTW, RTW, NEF, RTH) am Notfallort.
  • Ausgehend von den anerkannten Leitlinien der wissenschaftlichen Fachgesellschaften muss die definitive klinische Therapie bei wesentlichen notfallmedizinischen Erkrankungsbildern nach Erstversorgung im Rettungsdienst durch den Notarzt binnen 90 Minuten beginnen. Z.B. 90 Minuten beim Myokardinfarkt bis zur Katheterbehandlung, beim Schlaganfall 90 Minuten bis zur Lyse, beim Schädelhirntrauma (bewusstlos) 90 Minuten bis zur OP oder beim Polytrauma 60 Minuten bis zur Klinikaufnahme (Leistungsanalyse des Rettungsdienstes in Deutschland, Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V. – 2007).
  • Die Berechnung der Hilfsfrist erfolgt nach dem zuerst eingetroffenen geeigneten Rettungsmittel am Einsatzort und der Notfallabgrenzung nach dem Sonderrecht. Hiernach ergibt sich bundesweit eine mittlere Hilfsfrist von 8,1 Minuten, 95 % der Notfälle werden innerhalb von 16,4 Minuten mit einem geeigneten Rettungsmittel bedient (Schmiedel, Reinhard/ Behrendt, Holger: Leistungen des Rettungsdienstes 2004/05. Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen 2007; Heft M 188).. Im Jahre 2007 betrug die durchschnittliche Hilfsfrist im Saarland unter Zugrundelegung aller ausgewerteten Einsätze und Einsatzzeiten 11 Minuten und 2 Sekunden je Notfalleinsatz. Somit wird die Hilfsfrist im Saarland insgesamt zu 75,97% eingehalten (Drucksache 13/1905 vom 20.05.2008, PDF, als Antwort auf die Grünen-Anfrage Drucksache 13/1790 vom 18.02.2008, PDF). Diese Aussage ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, da seither umfangreiche Maßnahmen zur Optimierung und Sicherstellung der Notfallrettung ergriffen wurden, sodass diese Werte als nicht mehr aktuell anzusehen und zwingend zu überprüfen sind.
  • In Deutschland werden nach einer Forplan-Hochrechnung im Auftrag des BASt 10,2 Millionen Einsätze mit insgesamt rund 12,1 Millionen Einsatzfahrten vom öffentlichen Rettungsdienst jährlich durchgeführt. 5,7 Mio. Einsätze (56 %) fallen auf den Krankentransport (Schmiedel, Reinhard/ Behrendt, Holger: Leistungen des Rettungsdienstes 2004/05. Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen 2007; Heft M 188). Die Rettungsleitstelle im Saarland alleine wickelte nach eigenen Angaben 2008 ca. 160.000 Einsätze ab.