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Betriebliches Gesundheits-Management

Gepostet von in am 20. August 2010

Betriebliches Gesundheits-Management

Die Deutsche Herzwacht stellt ihr Konzept zur Gesundheitsförderung im Rettungsdienst vor. Das Ziel: Mit betrieblicher Unterstützung sollen sich die Mitarbeiter eine gesundheitsfördernde Lebensweise aneignen. Dafür stellt der Betrieb Angebote und finanzielle Mittel zur Verfügung. Die Mitarbeiter müssen selbst aktiv werden, um die konkreten Möglichkeiten für sich zu nutzen. Die Teilnahme an allen angebotenen Maßnahmen ist freiwillig.

Als Initiator des Projekts erarbeitet die Deutsche Herzwacht mit ihren Projektpartnern ein Konzept für die Etablierung gesundheitsfördernder Maßnahmen im Betrieb, die auch ärztlich begleitet wird sollen. Alle Arbeitsplätze des Unternehmens werden dazu analysiert, zudem wird eine umfangreiche Befragung zu Anforderungen am Arbeitsplatz, körperlichen Beschwerden und sportlichen Präferenzen durchgeführt. Ergänzt werden diese Erhebungen durch Fitnesschecks. Es sollen möglichst viele Mitarbeiter daran teilnehmen.

Fitness und Teamgeist durch Betriebssport

Der Betriebssport wird von Unternehmen und Institutionen organisiert. Er richtet sich in erster Linie an die Mitarbeiter des Unternehmens. Sein Zweck besteht darin, einen Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit durch eine regelmäßige sportliche Betätigung zu schaffen. Dementsprechend stehen nicht der Wettkampfcharakter im Vordergrund, sondern vorbeugende Gesundheitsmaßnahmen und das gesellschaftliche Miteinander. In der Regel findet der Betriebssport außerhalb der Arbeitszeit statt.

Das Unternehmen verfolgt mit dem Angebot das Ziel, die Leistungsfähigkeit seiner Arbeitnehmer zu erhalten, Stress abzubauen und auf diese Weise präventiv zum Arbeitsschutz beizutragen. Daneben hat das gemeinsame Sporttreiben positive Auswirkungen auf die Unternehmenskultur, auf das Arbeitsklima, die Teamarbeit und die Mitarbeiterzufriedenheit.

Gesundheitsmanagement im Rettungsdienst

Körperliche Fitness und gesundheitsbewusste Lebensstile sind Themen, die sich häufig auf den Titelseiten von Magazinen finden und mit positiven Attributen belegt sind. Aus Sicht eines Rettungsdienstunternehmens geht es aber bei der betrieblichen Förderung gesundheitsfördernder Maßnahmen um viel mehr als um Waschbrettbäuche und glatte Gesichtshaut. Insbesondere die Verlegung der Verrentungsgrenze auf 67 Jahre stellt die Branche vor große Herausforderungen. Während Feuerwehrmänner und Polizisten den Ruhestand mit 60 Jahren erreicht haben, soll der Rettungsassistent noch mit 66 Jahren in den enorm fordernden Situationen der Notfallrettung volle Leistung erbringen. Bereits heute ist es faktisch so, dass nur wenige der Kollegen, die das Ruhestandsalter erreichen, dies ohne gesundheitliche Einschränkungen schaffen. Erkrankungen des Muskel- und Skelettapparates und Herz-Kreislauf-Erkrankungen resultieren aus den konkreten Arbeitsbedingungen. Schichtdienst über lange Jahre, enorme körperliche Belastungen beim Bewegen der teilweise massiv übergewichtigen Patienten und die Kreislaufbelastung beim Sprint in den 5. Stock zum Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand kommen zusammen mit den psychischen Belastungen der Einsätze. Ausgehend von dieser betrieblichen Realität hat der Rettungsdienst im Saarland teilweise bereits in den letzten Jahren eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen auf den Weg gebracht, um die Gesundheit von Mitarbeitern zu fördern und die Risiken, die aus dem Berufsbild resultieren, zu begrenzen:

  • Gestaltung der Arbeitsmittel unter präventiven Gesichtspunkten
  • Gewichtreduktion der mobilen Ausstattung (insbes. Notfallrucksack)
  • Beschaffung von Hilfsmitteln für Transport/Umlagerung von Patienten (z.B. Rollbrett)
  • Kombination der betrieblichen Altersversorgung mit Berufsunfähigkeitsschutz
  • Integration von Präventionsthemen in die betriebliche Weiterbildung
  • Stressreduktion im Rettungsdienst
  • Direkte finanzielle Förderung von Präventionskursen nach § 20 SGB V (Prävention und Selbsthilfe)
  • Einführung von Eignungstests bei der Einstellung neuer Mitarbeiter (Fitness-Check, Cooper-Lauf)
  • Integration des Themas „Fitness“ in die jährlichen Mitarbeitergespräche

Mit dem jetzt vorgestellten Konzept entsteht ein weiterer Baustein in diesem Bereich. Das Gesundheitsprojekt soll in Zusammenarbeit mit kompetenten Partnern durchgeführt werden: federführend ist dabei die Deutsche Herzwacht.

Vorläuferprojekt

Feuerwehrleute müssen wie alle anderen Arbeitnehmer auch bis über das 60. Lebensjahr hinaus eine gute körperliche Leistungsfähigkeit aufweisen, um nicht durch eine Frühberentung mit erheblichen finanziellen Einbußen konfrontiert zu werden. Die Erfassung und die Verbesserung der Fitness ist deshalb ein wichtiges Ziel der betrieblichen Gesundheitsförderung bei der Feuerwehr. Vor diesem Hintergrund hat die Berufsfeuerwehr der Stadt Saarbrücken ein einjähriges Projekt zur Förderung der Fitness und Gesundheit ihrer Mitarbeiter erfolgreich durchgeführt.

Das Gesundheitsprojekt im Detail

1. Phase – Betriebs- und Bedarfsanalyse: Alle Mitarbeiter des Rettungsdienstes können an einem Gesundheitscheck teilnehmen. Ferner erfolgen eine Arbeitsplatzanalyse sowie eine anonyme Mitarbeiterbefragung.

2. Phase – Training:  Alle Mitarbeiter haben die Möglichkeit, die Sport- und Bewegungsangebote zu nutzen. Außerdem soll es auf Wunsch speziell für die Mitarbeiter Kursangebote mit Trainerbegleitung geben, diese finden teilweise betriebsintern mit Trainerbegleitung statt.

3. Phase – Evaluation der Angebote: Die bisherigen Maßnahmen werden bewertet, um zu überprüfen, ob und inwiefern das entwickelte Konzept durchführbar und wirksam wird. Dazu werden die Schritte Arbeitsplatzanalyse, Mitarbeiterbefragung und Fitness-Check wiederholt.

4. Phase – Etablierung der Gesundheitsförderung im Betrieb: Konzept etabliert, das die individuellen Bedürfnisse und die speziellen Arbeitsbedingungen auf den Rettungswachen des Rettungsdienstes sowie den verschiedenen anderen Arbeitsplätzen berücksichtigt. Das Sport- und Bewegungsangebot findet auch während der Phasen 3 und 4 statt.

Hinweis zur Versicherung

Im Allgemeinen fällt der Betriebssport unter die gesetzliche Unfallversicherung. Versicherungsschutz besteht beim Betriebssport an sich und auf den Wegen zwischen Sportstätte und Arbeitsplatz bzw. Wohnstätte unter folgenden Bedingungen:

  1. Der Sport muss Ausgleichs- und nicht Wettkampfcharakter haben,
  2. er muss regelmäßig stattfinden,
  3. der Teilnehmerkreis muss im Wesentlichen auf Angehörige des Unternehmens bzw. der Unternehmen, die sich zu einer Betriebssportgemeinschaft zusammengeschlossen haben, beschränkt sein,
  4. Übungszeit und -dauer müssen in einem dem Ausgleichszweck entsprechenden Zusammenhang mit der betrieblichen Tätigkeit stehen,
  5. es muss ein klarer organisatorischer Bezug zum Unternehmen bestehen.

Informationsquellen

Literatur

  • Böhnke, Elisabeth: Standards für das Gesundheitsmanagement in der Praxis, 2006.
  • Jena, Silke: Betriebssport. Grundlagen, Auswirkungen, Untersuchung, 2006.
  • Wydra, Georg / Winchenbach, Heike / Schwarz, Markus, Möglichkeiten und Grenzen der Gesundheitsförderung bei der Berufsfeuerwehr, 2008, in: Knoll, Michaela / Woll, Alexander, Sport und Gesundheit in der Lebensspanne, S. 324 – 328.

Hinweis

Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt, nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter.