Defis haben sich an Schulen bewährt
Herzwacht stiftet ersten Defi: Leuchtturmprojekt in Saarlouis erfolgreich abgeschlossen. Robert-Schuman-Gymnasium erhält als erste Schule im Saarland einen Erste-Hilfe-Defibrillator.
Mit der Übergabe eines Erste-Hilfe-Defibrillators an das Robert-Schuman-Gymnasium in Saarlouis hat die Deutsche Herzwacht ihr Engagement im Kampf gegen den plötzlichen Herztod im Saarland fortgesetzt.
In Deutschland sterben jährlich über 100.000 Menschen am plötzlichen Herztod. In den meisten Fällen liegt beim Betroffenen ein Kammerflimmern des Herzens vor. Nur ein elektrischer Stromstoß kann in dieser Situation zusammen mit den Maßnahmen der Wiederbelebung Leben retten. Alleine im Saarland flimmerten nach Angaben des Rettungszweckverbands Saar (jetzt Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung) im Jahre 2008 rund 1000 Herzen. Acht von zehn Betroffenen könnten das Herzversagen überleben, wenn ihnen innerhalb von drei bis fünf Minuten geholfen würde. Weil die Defibrillation die einzige wirksame Behandlung zusammen mit Maßnahmen der Herz-Lungen-Wiederbelebung des zu Grunde liegenden Kammerflimmerns darstellt, kommt der Anwendung eines automatisierten externen Defibrillators (AED) durch trainierte Laien eine ganz besondere Rolle zu.
Nach der Begrüßung durch den Schulleiter des Robert Schumann Gymnasiums, Herrn Oberstudiendirektor Hans-Josef Louis, und einem Grußwort von Vertretern des Landratsamtes und des Ministeriums für Bildung, Frauen, Famile und Kultur, stellten Alexander Pfabel, Gründungsvorsitzender und Vizepräsident der Deutschen Herzwacht und Marko Schwartz, Präsident der Herzwacht, die Initiative vor. Deren Ziel ist, die bereits gut ausgebildeten Ersthelfern in Ergänzung der einfachen, aber lebensrettenden Maßnahmen der ersten Hilfe, im Umgang mit dem so genannten Laiendefibrillatoren vertraut zu machen. Das lebensrettende Gerät ergänzt dabei die notwendigen Maßnahmen der Herz-Lungen-Wiederbelebung sinnvoll. Anschließend zeigten Anika Uhde von der Herstellerfiema Philips, die lebensrettenden Maßnahmen der Herz-Lungen-Wiederbelebung inklusive Frühdefibrillation. Die Ärztliche Abteilungsleiterin der Herzwacht, Dr. med. Gudrun Winter, kommentierte die Demonstration.
Weil das Gerät auch geschulten Laien die Erste Hilfe bei einem Herzkammerflimmern ermöglicht, wurde es an einer zentralen Stelle in der Nähe des Sekretariats angebracht. Eine Einweisung für einen Teil des Lehrerkollegiums fand bereits Anfang März statt. Bereits Ende 2008 wurden alle Ersthelfer in Erster Hilfe fortgebildet. Aus Sicht der Herzwacht stellt ein AED auch einen Multiplikator für die Erste Hilfe dar. Jedoch macht ein Defibrillator grundsätzlich nur dort Sinn, wo er in einem organisierten Umfeld etabliert wird, in dem es auch eine medizinische Wahrscheinlichkeit für Herznotfälle gibt. Genau diese Voraussetzungen wurden beim Robert Schuman Gymnasium in Saarlouis erfüllt.
Der Verein wünscht sich, dass das Projekt “Schule machen wird” und schon bald weitere geeignete Schulen dem Saarlouiser Vorbild folgen werden.
Fakten
- Herz-/Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache, Statistisches Bundesamt Deutschland, Pressemitteilung Nr. 344 vom 15.09.2009
- Die überwiegende Mehrzahl aller Patienten mit plötzlichem Herztod weist initial ein Kammerflimmern auf. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes ist ohne Reanimation das Kammerflimmern nicht selten in eine Asystolie übergegangen. Die einzige wirksame Behandlung im Rahmen der Reanimation stellt die Defibrillation dar. Je früher die Defibrillation erfolgt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit des Überlebens ohne bleibende körperliche Schäden. Jede Minute ohne wirksame Reanimation reduziert die Überlebenswahrscheinlichkeit um 10% (Empfehlung der Bundesärztekammer zur Defibrillation mit automatisierten externen Defibrillatoren (AED) durch Laien, 04.05.2001, PDF).
- Als Zusammenfassung der Ergebnisse der sog. “PAD-Trial”-Studie zur Überlebensrate von reanimierten Patienten mit AED-Anwendung versus Reanimation ohne AED-Anwendung, die eine herausragende Stellung zum Themenkomplex „AED/PAD“ einnimmt und in den USA und Kanada zwischen Juli 2000 und September 2003 durchgeführt worden ist, lässt sich feststellen, dass geschulte medizinische Laien AED sicher anwenden können und die Überlebensrate bei Verfügbarkeit eines AED zumindest in öffentlichen Einrichtungen verbessert werden kann. Die Anzahl der überlebenden Patienten hatte sich verdoppelt, die Überlebensrate um 67% erhöht. Äußerst positiv ist daneben die beschriebene Gerätesicherheit der AED ohne EKG-Fehlanalyse zu bewerten (Hallstrom A., Ornato J. P.: Public-Access Defibrillation and Survival after Out-of-Hospital Cardiac Arrest. N Engl J Med, 2004; 351: 637-646, PDF).
- AED-Programme an Schulen bieten eine hohe Überlebensrate für Schüler im Sportlunterricht und Lehrkräfte, die beiden Gruppen, die einem plötzlichen Herztod auf dem Schulegelände zum Opfer fallen können. Gymnasien wird daher in den USA dringend empfohlen AED-Programme als Teil eines umfassenden Notfallplans gegen den plötzlichen Herztod zu implementieren (Effectiveness of Emergency Response Planning for Sudden Cardiac Arrest in United States High Schools With Automated External Defibrillators, Drezner et al. Circulation.2009; 120: 518-525).
Links
- Robert-Schuman-Gymnasium: Für alle Not-Fälle gerüstet, 20.03.2009
- Herzwacht: Frühdefi für Robert-Schumann-Gymnasium, Rettungs-Magazin, 26.03.2009
- Herzwacht stattete erste Schule im Saarland mit Defi aus, RETTUNGSDIENST, 26.03.2009


